Wie wird die IgA-Nephropathie behandelt?
Die Diagnose IgA-Nephropathie wirft viele Fragen auf: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Muss ich Medikamente nehmen? Und wie schütze ich meine Nieren langfristig? Die gute Nachricht ist: In den letzten Jahren hat sich bei der Behandlung viel getan. Neben bewährten Medikamenten zum Schutz der Nieren gibt es heute erstmals Medikamente, die direkt an den Ursachen der Krankheit ansetzen.
Die Behandlung steht auf zwei Säulen
Es gibt zwei Gruppen von Medikamenten, die bei der IgA-Nephropathie eingesetzt werden:
Medikamente, die die Ursache der IgA-Nephropathie behandeln
Medikamente, die Nieren vor weiteren Schäden schützen
Häufig kommen bei der IgA-Nephropathie Medikamente aus beiden Gruppen zum Einsatz. Bei der ersten Säule hat sich zuletzt besonders viel getan. Erstmals gibt es Medikamente gegen die Ursache. Das ist der größte Fortschritt der letzten Jahre.
Säule 1: Medikamente gegen die Ursache von IgAN
Bei der IgA-Nephropathie bildet der Körper fehlgebildete IgA-Antikörper. Durch die Abwehrreaktion des Körpers werden andere Antikörper (Autoantikörper) gebildet. Diese Autoantikörper richten sich gegen die fehlgebildeten IgA-Antikörper. Die Autoantikörper und die fehlerhaften IgA-Antikörper bilden Komplexe. Diese Komplexe schädigen mit der Zeit die Nieren. Moderne Medikamente greifen früh in den Krankheitsmechanismus ein. Sie können die Bildung der fehlgebildeten IgA-Antikörper verringern. Dadurch entstehen weniger schädliche Immunkomplexe, die sich in den Nieren ablagern und Entzündungen auslösen.
Budesonid
Budesonid ist ein entzündungshemmendes Kortisonpräparat. Für die Behandlung der IgA-Nephropathie gibt es eine besondere Form des Medikaments. Sie gibt den Wirkstoff gezielt im letzten Abschnitt des Dünndarms frei. Dort befinden sich viele Immunzellen. Diese sind an der Bildung von IgA-Antikörpern beteiligt. Bei einer IgA-Nephropathie bilden sie vermehrt fehlgebildete IgA-Antikörper.
Budesonid wirkt direkt an dieser Stelle. Es kann die Bildung der krankheitsauslösenden IgA-Antikörper verringern. Dadurch entstehen weniger schädliche Immunkomplexe. Diese lagern sich dann seltener in den Nieren ab und lösen dort weniger Entzündungen aus. So kann Budesonid das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.
Neue Medikamente in Entwicklung
In der Forschung werden derzeit viele neue Medikamente geprüft oder entwickelt. Mehrere neue Wirkstoffe sind bereits in einzelnen Ländern zugelassen oder befinden sich im Zulassungsverfahren. Weitere Medikamente werden derzeit in Studien untersucht.
Säule 2: Medikamente, um die Nieren zu schützen
Sobald die Nieren geschädigt sind, setzt sich der Schaden oft von allein fort. Das passiert vor allem, wenn viel Eiweiß im Urin ist und der Blutdruck hoch ist. Die Medikamente dieser Säule helfen, den Blutdruck und das Eiweiß im Urin zu senken.
Warum schaden Eiweiß und hoher Blutdruck die Nieren?
Eiweiß im Urin ist ein Hinweis auf geschädigte Nieren. Das Eiweiß belastet die Nieren und fördert Entzündungen und Vernarbungen. Dadurch geht weitere Nierenfunktion verloren. Hoher Blutdruck bedeutet für die Nieren, dass auf ihnen ein hoher Druck liegt. Das schadet ihnen. Deshalb ist es wichtig, Blutdruck und Eiweißausscheidung zu senken.
ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker
ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker bilden seit vielen Jahren die Grundlage der Behandlung bei IgA-Nephropathie. Sie senken den Blutdruck und verringern den Eiweißverlust über den Urin. Beides entlastet die Nieren.
Beispiele sind Ramipril, Enalapril, Lisinopril, Valsartan, Candesartan, Olmesartan, Losartan oder Irbesartan.
SGLT2-Hemmer
SGLT2-Hemmer schützen vor Nierenschäden. Sie entlasten die Nierenfilter, senken das Eiweiß im Urin und erhalten die Nierenfunktion länger. Für viele Menschen mit IgAN sind SGLT2-Hemmer Teil der Behandlung.
Beispiele sind Dapagliflozin und Empagliflozin.
Sparsentan
Sparsentan ist ein neuer Wirkstoff zur Behandlung der IgA-Nephropathie. Es senkt das Eiweiß im Urin und schützt so die Nieren.
Sparsentan gehört zu den wichtigsten neueren Medikamenten, die die Nieren bei IgA schützen.
Was Du selbst tun kannst
Medikamente sind nur ein Teil der Behandlung. Auch Deine Lebensgewohnheiten im Alltag können Deine Nieren langfristig schützen.
Dazu gehören:
eine konsequente Blutdruckkontrolle
regelmäßig bewegen und Ausdauertraining
nicht rauchen oder vapen
bei Übergewicht abnehmen
eine gesunde, salzarme Ernährung
Die Therapieziele bei IgA-Nephropathie
Unabhängig davon, welche Medikamente eingesetzt werden, hat die Behandlung der IgA-Nephropathie mehrere Ziele:
die krankheitsauslösenden Prozesse möglichst bremsen
das Eiweiß im Urin senken
den Blutdruck gut einstellen
die Nieren schützen
möglichst verhindern, dass Dialyse oder Nierentransplantation nötig werden
jegliche Herz-Kreislauf-Risiken kontrollieren und minimieren (Rauchen, Bewegung, Ernährung, Übergewicht, Cholesterin, usw.)
In aller Kürze
Die Behandlung der IgA-Nephropathie beruht auf zwei Säulen: Medikamente, die in den Krankheitsmechanismus eingreifen, und Medikamente, die die Nieren schützen. Eine speziell für die IgA-Nephropathie entwickelte Formulierung von Budesonid war die erste zugelassene ursächliche Therapie dieser Krankheit. Zum Schutz der Nieren werden unter anderem ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker, SGLT2-Hemmer oder Sparsentan eingesetzt. Sie können die Eiweißausscheidung im Urin verringern und das Fortschreiten der Nierenschädigung verlangsamen.
Viele Menschen mit IgA-Nephropathie werden in Zukunft Medikamente aus beiden Bereichen erhalten. Darüber hinaus kannst Du selbst viel für die Gesundheit Deiner Nieren tun: Regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen, ein gesundes Körpergewicht und eine salzarme Ernährung tragen dazu bei, die Nieren langfristig zu schützen.
Welche Behandlung für Dich am besten geeignet ist, entscheidet Dein Behandlungsteam gemeinsam mit Dir.
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