IgA-Nephropathie: Wie entsteht die Krankheit?
Warum erkranken manche Menschen an einer IgA-Nephropathie? Die Antwort steckt im Immunsystem. In diesem Artikel erfährst Du, welche Rolle der Antikörper IgA im Körper spielt, was bei der IgA-Nephropathie schiefläuft und wie Fachleute die Entstehung der Erkrankung heute erklären. Außerdem schauen wir uns an, warum die Schleimhäute dabei eine wichtige Rolle spielen und welche Faktoren das Risiko erhöhen.
Das Immunsystem als Grundlage
Die IgA-Nephropathie (IgAN) ist eine Krankheit des Immunsystems, die sich in den Nieren zeigt.
Um zu verstehen, was dabei passiert, hilft ein kurzer Blick auf die Grundlagen des Immunsystems. Das Immunsystem schützt den Körper vor Krankheitserregern wie Bakterien und Viren.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Antikörper (Immunglobuline /Ig).
Antikörper werden von sogenannten B-Zellen gebildet. Antikörper erkennen fremde Strukturen und helfen, diese gezielt zu bekämpfen.
Es gibt verschiedene Klassen von Antikörpern. Eine davon heißt IgA.
Welche Rolle spielt IgA im Körper?
Immunglobulin A (IgA) schützt vor allem die Schleimhäute.
Es kommt im Blut, aber vor allem auch in folgenden Bereichen des Körpers vor:
im Darm
in den Atemwegen
im Speichel
Dort wehrt IgA Krankheitserreger ab, die über die Schleimhäute in den Körper eindringen.
Es gibt zwei Formen:
IgA1 (im Blut häufiger)
IgA2 (vor allem in Schleimhäuten)
Bei der IgA-Nephropathie steht vor allem IgA1 im Mittelpunkt.
Was läuft bei der IgA-Nephropathie schief?
Bei IgAN liegt keine klassische Autoimmunerkrankung vor, sondern eine Fehlsteuerung des Immunsystems.
Damit die IgA entsteht, müssen verschiedene Faktoren zusammenkommen. Fachleute erklären diesen Prozess heute meist durch die sogenannte 4-Ereignis-Hypothese.
Ereignis 1: Fehlgebildetes IgA1 entsteht
Das Problem beginnt mit einer strukturellen Veränderung von IgA1:
bestimmte Zuckerbausteine (Galaktose) fehlen teilweise
Fachleute nennen das „galaktose-defiziente IgA1“ (Gd-IgA1)
dadurch verändert sich die Oberfläche des Moleküls
Diese Veränderung macht das IgA1 „auffällig“ für das Immunsystem.
Ereignis 2: Das Immunsystem bildet Autoantikörper
Das Immunsystem erkennt das veränderte IgA1 als „fremd“ und bildet Antikörper dagegen (meist IgG oder IgA). Diese Antikörper werden Autoantikörper genannt, da es Antikörper sind, welche sich gegen den eigenen Körper richten.
Ereignis 3: Immunkomplexe entstehen
Diese Antikörper binden an das veränderte IgA1. Es entstehen größere Immunkomplexe, „aneinanderklebender Antikörper“, die im Blut zirkulieren.
Ereignis 4: Ablagerung in der Niere und Entzündung
Die Immunkomplexe lagern sich in den Nierenfiltern (Glomeruli) ab.
Dort passiert Folgendes:
das Immunsystems wird in den Nierenfiltern aktiviert
es reagiert mit einer Entzündung
die Filterstruktur der Nieren wird geschädigt
Langfristig führt das dazu, dass:
die Nieren an Funktion verlieren
das Gewebe vernarbt
Welche Rolle spielen die Schleimhäute?
Ein wichtiger neuer Forschungsansatz betrifft die sogenannte „mukosale Immunität“, die Schleimhaut-Immunität.
Fachleute gehen davon aus, dass die Fehlsteuerung des Immunsystems vor allem in den Schleimhäuten entsteht, zum Beispiel im Darm und den Atemwegen.
Warum das wichtig ist:
IgA entsteht in den Schleimhäuten
Infekte (wie zum Beispiel eine Erkältung) können Krankheitsschübe auslösen
Es gibt Therapieansätze, die speziell auf die mukosale Immunität abzielen
Auslöser einer IgAN
Die IgA-Nephropathie entsteht durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, und der genaue Entstehungsmechanismus ist noch Gegenstand der Forschung.
Genetische Einflüsse
Bestimmte Gene erhöhen das Risiko zu erkranken oder einen schweren Verlauf zu erleben.
Ein solches Gen zu tragen alleine löst wahrscheinlich noch keine IgAN aus. Sie entsteht wahrscheinlich erst, wenn weitere Einflüsse dazukommen.
Welche das genau sind, wird im Moment noch erforscht und kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Folgende Faktoren können eine Rolle spielen:
Bestimmte Umweltfaktoren
Infektionen
die Bakterien im Darm (Mikrobiom)
die Ernährung
In aller Kürze
Die IgA-Nephropathie ist eine Krankheit, bei der das Immunsystem die Nieren schädigt. Auslöser ist der fehlgebildete Antikörper IgA1, dem bestimmte Zuckerbausteine fehlen. Das Immunsystem hält ihn für fremd und bildet Antikörper dagegen. Die entstehenden Immunkomplexe lagern sich in den Nieren ab und lösen dort eine Entzündung aus. Langfristig kann das die Nieren schwächen. Wie genau die Krankheit entsteht, erforschen Fachleute noch: genetische Faktoren, Infektionen und die Schleimhaut-Immunität spielen dabei eine Rolle.
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