Ernährung bei IgA-Nephropathie
Dr. Jan Degenhardt, 01.04.2026
Zusammenfassung In aller Kürze

Ernährung bei IgA-Nephropathie

Was Du isst oder trinkst, kann Deine Nierengesundheit beeinflussen. Auch bei einer IgA-Nephropathie (IgAN) ist die Ernährung relevant. IgAN ist eine Autoimmunkrankheit und die Schleimhäute des Verdauungssystems spielen eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung. Deshalb liegt die Frage nahe, ob eine bestimmte Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel bei IgAN den Krankheitsverlauf beeinflussen können. In diesem Beitrag erfährst Du, welche Ernährungsgewohnheiten bei einer IgAN helfen können und bei welchen Fragen die Forschung noch keine eindeutige Antwort finden konnte.

01.

Die drei wichtigsten Ernährungstipps bei einer chronischen Nierenkrankheit

Wenn Du IgAN hast, ist es wichtig, Deinen Blutdruck gut einzustellen und die Menge an Eiweiß m Urin (Proteinurie) zu senken. Das kann dazu beitragen, dass Deine Nieren länger gut arbeiten können. Bestimmte Ernährungsgewohnheiten können dabei helfen, da sie den Blutdruck beeinflussen können und Entzündungsprozesse im Körper abschwächen.

Weniger Salz essen

Du solltest weniger als 5 Gramm Salz am Tag essen. Das ist ungefähr ein gestrichener Teelöffel Salz. Oft ist in Fertigprodukten bereits ein großer Anteil an Salz enthalten. Wie Du den Salzgehalt in Lebensmitteln erkennen kannst und wie viel Salz in Lebensmitteln enthalten ist kannst Du Dein Behandlungsteam fragen oder auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. nachlesen. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, salzreiche Lebensmittel im Alltag zu erkennen. Deine Ärztin oder Dein Arzt kann Deinen Salzkonsum auch durch einen Urintest bestimmen.

Wie viel Eiweiß ist sinnvoll?

Wenn Deine Nierenfunktion erhalten ist, kann Du eine ganz normale, ausgewogene Eiweißmenge, wie sie auch gesunden Menschen empfohlen wird, zu Dir zu nehmen. Allerdings können höhere Eiweißmengen in der Nahrung zu einer Belastung für die Nierenkörperchen (Glomeruli) werden und über Jahre Schädigungen an diesen Strukturen verstärken. Daher wird eine Einschränkung der Eiweißaufnahme auch bei Menschen mit IgA Nephropathie empfohlen, wenn die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist. Hier wird ungefähr 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag empfohlen. Das sind bei einem Körpergewicht von 75 Kilogramm etwa 60 Gramm Eiweiß pro Tag. Vermeide eine eiweißreiche Ernährung oder Eiweißquellen, die besonders schnell viel Eiweiß liefern, wie zum Beispiel Eiweißshakes.

Wie stark die IgAN Deine Nieren beeinträchtigt, beschreiben Ärztinnen und Ärzte in fünf Stadien (1 bis 5). Solange Deine Nierenfunktion noch weitgehend erhalten ist (Stadium 1 und 2), gibt es keine sicheren Erkenntnisse darüber, ob eine Einschränkung der Eiweißaufnahme hilfreich sein könnte. In fortgeschritteneren Stadien (G3 bis 5-ND) kann dagegen eine Einschränkung der täglich aufgenommenen Eiweißmenge sinnvoll sein, um die Nieren zu entlasten. Wie viel dann für Dich richtig ist, hängt auch von Deinem Alter und Deinem Ernährungszustand ab: Wer zum Beispiel ohnehin schon zu wenig isst und Zeichen einer Mangelernährung aufweist, sollte die Proteinzufuhr nicht einschränken. Deshalb solltest Du diese Themen immer mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt besprechen.

Wenn Dein Kind IgAN hat, gilt der Richtwert von Erwachsenen nicht. Deine Ärztin oder Dein Arzt kann dann den individuellen Eiweißbedarf ermitteln.

Abwechslungsreich und pflanzenbasiert essen

Am besten bevorzugst Du pflanzenbasierte Nahrungsmittel wie Gemüse und Hülsenfrüchte. Versuche hochverarbeitete Nahrungsmittel wie Fast Food oder Fertiggerichte möglichst selten zu essen. Eine spezielle Ernährungsform, die sich gut bei chronischen Nierenkrankheiten eignet, ist beispielsweise die sogenannte mediterrane Diät. Diese legt besonderen Wert auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten und ergänzt Deinen Speiseplan mit Fisch. Kräuter werden in der mediterranen Diät gerne verwendet, um Geschmack zu geben und Salz zu reduzieren. Rotes Fleisch, Milchprodukte und Eier werden nur in geringen Mengen verwendet. Die wesentliche Fettzufuhr bei dieser Ernährungsform erfolgt über natives Olivenöl.

Menschen mit einer chronischen Nierenkrankheit sollten besonders auf ihr Körpergewicht achten und bei Übergewicht versuchen, dieses zu reduzieren. Die mediterrane Ernährung kann auch dabei unterstützen, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen.

Anders als oft zu lesen, musst Du kaliumreiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse nicht grundsätzlich meiden. Erst bei fortgeschrittener chronischer Nierenkrankheit (CKD G4-5) solltest Du stärker auf Deine Kalium- oder Phosphataufnahme achten. Wenn Du eine fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit hast, sprich mit Deinem Behandlungsteam, welche individuellen Empfehlungen für Dich vorteilhaft sein könnten.

02.

Ernährungstipps bei IgAN, die noch untersucht werden

Viele Menschen mit IgAN fragen sich, ob es neben den allgemeinen Ernährungstipps bei einer chronischen Nierenkrankheit auch Empfehlungen zu Nahrungsergänzungsmitteln oder speziellen Ernährungsweisen gibt. Expertinnen und Experten sind sich hier noch nicht einig. Die bisherigen Daten sind noch nicht eindeutig und es braucht noch mehr Forschung, um eine Antwort zu finden. Ein eindeutiger Nutzen lässt sich bisher nicht belegen. Ansätze, um die Symptome bei IgAN durch die Ernährung zu verbessern, beruhen darauf, die Entzündungen der Schleimhäute abzumildern. Dadurch soll die Darmschleimhaut weniger durchlässig werden, sodass bakterielle Stoffwechselprodukte im Darm bleiben. Außerdem gibt es Versuche, die Zusammensetzung der Darmbakterien, das sogenannte Mikrobiom, zu beeinflussen. Die Ansätze lassen sich in drei Bereiche einteilen:

Nahrungsergänzungsmittel

Omega-3 Fettsäuren

Es wurde in mehreren Studien untersucht, ob sich Fischöl, welches eine Quelle von Omega-3-Fettsäuren ist, positiv auf IgAN auswirkt. Es konnte jedoch keine Verbesserung festgestellt werden.

Vitamin D3 (über die normale Substitution hinausgehend)

Bisherige Studien zeigen keine klare Verbesserung, wenn Menschen mit IgAN zusätzlich Vitamin D einnehmen. Vitamin D ist wichtig für viele Funktionen im Körper. Vitamin D kann vom Körper, abhängig von Sonneneinstrahlung und der Hautfarbe, gebildet werden. Dennoch haben viele Menschen – auch ohne Nierenkrankheit – zu wenig Vitamin D. Dann werden häufig frei verkäufliche Vitamin-D-Präparate eingenommen. Die Nieren wandeln Vitamin D in die aktive Form um. Wenn Deine Nieren eingeschränkt arbeiten, gelingt diese Umwandlung möglicherweise nicht ausreichend, auch dann nicht, wenn Du frei verkäufliche Vitamin-D-Präparate einnimmst.

Glutenfreie Ernährung

Ein möglicher Zusammenhang zwischen Gluten und IgAN wird derzeit erforscht. Manche Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit IgAN empfindlicher auf Gluten reagieren, während andere Untersuchungen keinen Zusammenhang finden.

Probiotika

Menschen mit IgAN haben eine andere Zusammensetzung der Bakterien im Darm als gesunde Menschen. Deshalb wird erforscht, ob eine gezielte Veränderung der Darmbakterien (Mikrobiom) die Symptome oder den Verlauf von IgAN beeinflussen kann. Ob solche Ansätze künftig eine Rolle in der Behandlung spielen, wird derzeit noch wissenschaftlich untersucht.

Ernährungsberatung

Wenn Du eine chronische Nierenkrankheit hast, kann Dir Deine Ärztin oder Dein Arzt eine sogenannte Notwendigkeitsbescheinigung ausstellen. Reiche diese Bescheinigung bei Deiner Krankenkasse ein, bevor Du eine Ernährungsberatung beginnst. Oft übernimmt die Krankenkasse dann einen Teil der Kosten für die Beratung.

In aller Kürze

Was Du isst, beeinflusst Deinen Körper. Bei IgAN ist die Begrenzung der Salzaufnahme und das Beachten der Menge und der Art der Eiweißzufuhr wichtig. Eine pflanzenbasierte, abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Fisch kann Dir ebenfalls helfen. Auch eine Ernährungsberatung kann Dich unterstützen und Dir helfen, diese Tipps im Alltag umzusetzen.

Cheung, C. K., Alexander, S., Reich, H. N., Selvaskandan, H., Zhang, H., & Barratt, J. (2025). The pathogenesis of IgA nephropathy and implications for treatment. Nature reviews. Nephrology, 21(1), 9–23. https://doi.org/10.1038/s41581-024-00885-3 

KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease 

KDIGO 2025 Clinical Practice Guideline for the Management of Immunoglobulin A Nephropathy (IgAN) and Immunoglobulin A Vasculitis (IgAV) 

Moeller, S., Canetta, P. A., Taylor, A. K., Arguelles-Grande, C., Snyder, H., Green, P. H., Kiryluk, K., & Alaedini, A. (2014). Lack of serologic evidence to link IgA nephropathy with celiac disease or immune reactivity to gluten. PloS one, 9(4), e94677. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0094677 

Smerud, H. K., Fellström, B., Hällgren, R., Osagie, S., Venge, P., & Kristjánsson, G. (2009). Gluten sensitivity in patients with IgA nephropathy. Nephrology, dialysis, transplantation : official publication of the European Dialysis and Transplant Association - European Renal Association, 24(8), 2476–2481. https://doi.org/10.1093/ndt/gfp133 

Tunnicliffe DJ, Reid S, Craig JC, Samuels JA, Molony DA, Strippoli GFM. Non‐immunosuppressive treatment for IgA nephropathy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2024, Issue 2. Art. No.: CD003962. DOI: 10.1002/14651858.CD003962.pub3. Accessed 17 April 2026. 

Wie findest Du diesen Beitrag?

Schreib uns Deine Meinung!