Neues aus der Forschung: IgA-Nephropathie
PD Dr. med. Ralph Wendt, 22.04.2026
Zusammenfassung In aller Kürze

Neues aus der Forschung: IgA-Nephropathie

Die IgA-Nephropathie ist die weltweit häufigste Nierenkrankheit, bei der das Immunsystem die eigenen Nieren angreift. Lange gab es kaum wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Das hat sich geändert: In den letzten Jahren wurden mehrere neue Medikamente zugelassen. Andere befinden sich noch in der Prüfung. Du erfährst hier, welche neuen Behandlungen es gibt – und was sie für Dich bedeuten können.

01.

Was passiert bei der IgA-Nephropathie?

Bei der IgA-Nephropathie produziert der Körper fehlerhafte Antikörper, sogenannte galaktose-defiziente IgA1-Antikörper. Sie lagern sich in den Nierenkörperchen ab. Das führt zu Entzündungen. Langfristig kann die Nierenfunktion schlechter werden. Etwa 5 von 10 Menschen mit IgA-Nephropathie entwickeln innerhalb von 10 bis 20 Jahren nach der Diagnose ein Nierenversagen.

02.

Neue Behandlungsansätze

Die Forschung verfolgt heute zwei Hauptstrategien:

1. Stoppen der fehlerhaften Antikörperproduktion

Mehrere neue Medikamente greifen direkt dort ein, wo die fehlerhaften Antikörper entstehen:

Nefecon: Nefecon ist bereits in Deutschland zugelassen. Außerdem verlangsamt es die Verschlechterung der Nierenfunktion. Dieses Medikament wird im Darm freigesetzt, wo viele veränderte IgA-Antikörper sitzen. Nefecon enthält den Wirkstoff Budesonid, der so formuliert wurde, dass er als Tablette eingenommen werden kann und gezielt im Darm wirkt.

BAFF/APRIL-Hemmer: In Deutschland sind bisher noch keine Medikamente dieser Wirkstoffklasse zugelassen. Die Medikamente blockieren Botenstoffe, die für die Produktion der fehlerhaften Antikörper wichtig sind. Dazu gehören Atacicept, Povetacicept und Telitacicept. Sie blockieren zwei Botenstoffe gleichzeitig. Sibeprenlimab blockiert nur einen davon. In aktuellen Studien verringern sie deutlich die Menge an Eiweiß, die über den Urin ausgeschieden wird – ein wichtiges Merkmal, um den Erfolg von Behandlungen der Niere zu messen.

Komplementhemmer: Iptacopan: In Deutschland ist das Medikament für die Behandlung der IgA-Nephropathie noch nicht zugelassen. Iptacopan blockiert einen Teil des Immunsystems (Komplementsystem), der die Nierenschädigung verstärkt.

CD38 Antikörper: Die Forschenden prüfen derzeit CD38-Antikörper als neue Behandlungsmöglichkeit für die IgA-Nephropathie. Diese Medikamente greifen die Krankheit an ihrer Wurzel an. Sie zerstören die Zellen (Plasmazellen), die die krankmachenden Antikörper herstellen. Felzartamab konnte die Eiweißausscheidung im Urin um 45 Prozent nach zwei Jahren reduzieren. Es gibt einen zweiten Wirkstoff in dieser Kategorie, welcher Mezagitamab heißt, der sich ebenfalls in klinischer Prüfung befindet.

2. Schutz der Nieren vor weiteren Schäden

Auch wenn bereits Nierenschäden vorhanden sind, können diese Medikamente helfen:

Endothelin-Blocker: Bei der IgA-Nephropathie ist der Endothelin-Signalweg in den Nieren verstärkt aktiv, besonders bei Menschen mit viel Eiweiß im Urin. Das ist mit einem schlechteren Krankheitsverlauf verbunden. Endothelin-Blocker setzen genau hier an.

  • Sparsentan: Dieser Wirkstoff ist bereits in Deutschland zugelassen. Es ist ein Kombinationswirkstoff, der zwei schädliche Mechanismen gleichzeitig blockiert. Er blockiert neben den Endothelien ebenfalls den Angiotensin-Rezeptor. In Studien reduzierte er die Eiweißausscheidung und verlangsamt den Nierenfunktionsverlust.

  • Atrasentan ist in Deutschland bisher nicht für die Behandlung von IgAN zugelassen. Auch er senkt die Eiweißausscheidung.

SGLT2-Hemmer: Die beiden Wirkstoffe Dapagliflozin und Empagliflozin sind in Deutschland für die Behandlung von chronischer Nierenschwäche zugelassen. SGLT2-Hemmer wurden ursprünglich entwickelt, um Diabetes zu behandeln. Sie schützen aber auch bei IgAN die Nieren hochwirksam. Das gilt auch dann, wenn kein Diabetes vorliegt.

03.

Was bedeutet das für Dich?

Die neuen Behandlungen bieten erstmals die realistische Hoffnung, die IgA-Nephropathie langfristig zu kontrollieren und ein Nierenversagen zu verhindern. Viele dieser Medikamente sind bereits verfügbar oder werden in den nächsten Jahren zugelassen.

Wichtig für Dich ist: Eine Behandlung wirkt am besten, wenn sie früh beginnt, solange die Nierenfunktion noch gut ist. Auch Lebensstiländerungen bleiben wichtig: weniger Salz essen, nicht rauchen, Normalgewicht halten und regelmäßig Sport treiben.

04.

Ausblick

Derzeit laufen weltweit mehr als 8 große Studien mit weiteren neuen Wirkstoffen. Expertinnen und Experten erwarten, dass es in den nächsten 4 bis 5 Jahren noch mehr Behandlungsmöglichkeiten geben wird. Die Kombination verschiedener Medikamente könnte die Behandlung noch weiter verbessern.

Für viele Menschen mit IgA-Nephropathie bedeutet das: Die Aussichten haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Was früher oft zu Dialyse oder Nierentransplantation führte, kann heute bei vielen Menschen durch die Behandlung aufgehalten oder zumindest stark verlangsamt werden.

05.

In aller Kürze

Die IgA-Nephropathie ist eine häufige Nierenkrankheit. Früher gab es kaum Behandlungsmöglichkeiten. Heute stehen mehrere neue Medikamente zur Verfügung. Manche sind bereits zugelassen, andere werden noch geprüft. Sie können die Eiweißausscheidung im Urin deutlich senken und die Nieren schützen. Wichtig ist: Eine frühe Behandlung hilft am meisten. Sprich mit Deinem Behandlungsteam darüber, welche Behandlung für Dich passt.

Rezent zugelassene oder aktuell geprüfte oder in Prüfung befindliche Medikamente für die IgA Nephropathie, Stand April 2026

Medikament

Wirkprinzip

Reduktion Eiweiß-ausscheidung

Einnahme

Zulassungsstatus (Europa)

Referenzen

Nefecon (Budesonid)

Gezieltes Kortison im Darm

27%

Tablette, 9 Monate

Zugelassen

 Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) IgAN and IgAV Work Group, Rovin, B. H., Barratt, J., Cook, H. T., Noronha, I. L., Reich, H. N., Suzuki, Y., Tang, S. C. W., Trimarch, H., & Floege, J. (2025). KDIGO 2025 Clinical Practice Guideline for the Management of Immunoglobulin A Nephropathy (IgAN) and Immunoglobulin A Vasculitis (IgAV). Kidney international, 108(4S), S1–S71. https://doi.org/10.1016/j.kint.2025.04.004

Sparsentan

Endothelin + Angiotensin-Blocker

43%

Tablette, 1x/Tag

Zugelassen

 Rovin, B. H., Barratt, J., Heerspink, H. J. L., Alpers, C. E., Bieler, S., Chae, D. W., Diva, U. A., Floege, J., Gesualdo, L., Inrig, J. K., Kohan, D. E., Komers, R., Kooienga, L. A., Lafayette, R., Maes, B., Małecki, R., Mercer, A., Noronha, I. L., Oh, S. W., Peh, C. A., … DUPRO steering committee and PROTECT Investigators (2023). Efficacy and safety of sparsentan versus irbesartan in patients with IgA nephropathy (PROTECT): 2-year results from a randomised, active-controlled, phase 3 trial. Lancet (London, England), 402(10417), 2077–2090. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)02302-4

Iptacopan

Komplementhemmer (Faktor B)

38%

Tablette, 2x/Tag

Noch nicht für IgAN zugelassen
(Zulassung in der USA 2025)

 Perkovic, V., Barratt, J., Rovin, B., Kashihara, N., Maes, B., Zhang, H., Trimarchi, H., Kollins, D., Papachristofi, O., Jacinto-Sanders, S., Merkel, T., Guerard, N., Renfurm, R., Hach, T., Rizk, D. V., & APPLAUSE-IgAN Investigators (2025). Alternative Complement Pathway Inhibition with Iptacopan in IgA Nephropathy. The New England journal of medicine, 392(6), 531–543. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2410316

Atacicept

BAFF + APRIL-Hemmer

46%

Spritze, 1x/Woche

In Prüfung

(Phase 3)

 Lafayette, R., Barbour, S. J., Brenner, R. M., Campbell, K. N., Doan, T., Eren, N., Floege, J., Jha, V., Kim, B. S., Liew, A., Maes, B., Pal, A., Pecoits-Filho, R., Phoon, R. K. S., Rizk, D. V., Suzuki, H., Tesař, V., Trimarchi, H., Wei, X., Zhang, H., … ORIGIN Phase 3 Trial Investigators (2026). A Phase 3 Trial of Atacicept in Patients with IgA Nephropathy. The New England journal of medicine, 394(7), 647–657. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2510198

Sibeprenlimab

APRIL-Hemmer

51%

Spritze, alle 4 Wochen

In Prüfung

(Phase 3)

 Perkovic, V., Trimarchi, H., Tesar, V., Lafayette, R., Wong, M. G., Barratt, J., Suzuki, Y., Liew, A., Zhang, H., Carroll, K., Jha, V., Quevedo, A., Han, S. H., Praga, M., Chacko, B., Sahay, M., Cheung, C. K., Kooienga, L., Walsh, M., Xia, J., … VISIONARY Trial Investigators Group (2026). Sibeprenlimab in IgA Nephropathy - Interim Analysis of a Phase 3 Trial. The New England journal of medicine, 394(7), 635–646. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2512133

Telitacicept

BAFF + APRIL-Hemmer

55%

Spritze

In Prüfung

(Phase 3)

 Weng, Q., Zhu, X., Ren, H., Li, X., & Xie, J. (2026). Telitacicept targets Gd-IgA1 and autoantibody-producing B cells in IgA nephropathy. Nephrology, dialysis, transplantation : official publication of the European Dialysis and Transplant Association - European Renal Association, gfag001. Advance online publication. https://doi.org/10.1093/ndt/gfag001

Povetacicept

BAFF + APRIL-Hemmer

64%

Spritze, alle 4 Wochen

In Prüfung

(Phase 3 läuft)

 Madan, A., Yalavarthy, R., Kim, D. K., Moon, J. Y., Park, I., Mandayam, S., Cortazar, F., Kim, S. G., Enstrom, A., Thomas, H., Li, J., Peng, S. L., Chen, Y. C., Sanders, J., Egbuna, O., Tumlin, J., & AIS-D03 RUBY-3 Study Group (2025). Povetacicept for IgA Nephropathy and Primary Membranous Nephropathy. Kidney international reports, 11(1), 106–116. https://doi.org/10.1016/j.ekir.2025.10.029

Atrasentan

Endothelin-Blocker

36%

Tablette, 1x/Tag

Noch nicht zugelassen
(Zulassung in der USA 2025)

 Heerspink, H. J. L., Jardine, M., Kohan, D. E., Lafayette, R. A., Levin, A., Liew, A., Zhang, H., Lodha, A., Gray, T., Wang, Y., Renfurm, R., Barratt, J., & ALIGN Study Investigators (2025). Atrasentan in Patients with IgA Nephropathy. The New England journal of medicine, 392(6), 544–554. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2409415

Felzartamab

Anti-CD38 (Plasmazell-Depletion)

30-45%

Infusion, 9 Dosen über 5 Monate

In Prüfung

(Phase 2a)

 Floege, J., Lafayette, R., Barratt, J., Schwartz, B., Manser, P. T., Patel, U. D., Shah, M., Kivman, L., Faulhaber, N., Kräft, T., Thakur, A., Härtle, S., & Barbour, S. J. (2025). Randomized, double-blind, placebo-controlled phase 2a study assessing the efficacy and safety of felzartamab for IgA nephropathy. Kidney international, 108(4), 695–706. https://doi.org/10.1016/j.kint.2025.05.028

Mezagitamab

Anti-CD38 (Plasmazell-Depletion)

54,1%

Spritze, subkutan

In Prüfung

Barratt, J., Suzuki, Y., Nguyen, V. A., Dobler, I., Li, C., Patwari, P. & Farmer, M. (2025). #47 Safety, tolerability, and efficacy of mezagitamab (TAK-079) as add-on to standard of care therapy in individuals with primary IgA nephropathy: results from a Phase 1b study. Nephrology Dialysis Transplantation, 40(Supplement_3). https://doi.org/10.1093/ndt/gfaf116.0254

Hinweis: Die Prozentwerte stammen aus verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Patientengruppen und sind daher nicht direkt miteinander vergleichbar.

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